Eine der höchsten Auszeichnungen für Verdienste in der Krebsforschung in Deutschland wird am Mittwoch, 26. Januar 2011, in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) verliehen: Der mit 10.000 Euro dotierte Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis 2010/2011 geht an PD Dr. Hans Christian Reinhardt, Klinik I für Innere Medizin, Uniklinik Köln. Er entwickelt neue Konzepte für die zielgerichtete Krebstherapie. „Dr. Reinhardt gehört zu den besten Nachwuchswissenschaftlern in der Krebsforschung. Seine Untersuchungen eröffnen neue Möglichkeiten für die Entwicklung neuer, zielgerichteter Krebstherapien“, betont Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation im Zentrum für Innere Medizin.

Die Johann-Georg-Zimmermann-Medaille erhält Professor Dr. Klaus Rajewsky, Harvard Medical School, Center for Blood Research, Boston. „Professor Rajewsky gehört zu den führenden deutschen Krebsforschern, der sich insbesondere in der Tumor-Immunologie und bei der Erforschung der Biologie maligner Lymphome einen international hervorragenden Ruf erworben hat“, sagt Michael Manns, Vorsitzender des Kuratoriums des Johann-Georg-Zimmermann-Vereins und Direktor der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie.

Die Preise werden überreicht von Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann, Präsident der MHH, und Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Hypothekenbank (Actien-Gesellschaft).

Wir laden die Medienvertreter zur Preisverleihung ein am

Mittwoch, 26. Januar 2011
um 15.30 Uhr
im Hörsaal H,Gebäude I1, Ebene HO
in der Medizinischen Hochschule Hannover,
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover.

Für Fotografen: Die Preisträger stehen um 15.15 Uhr für einen Fototermin bereit.

Die Auszeichnung wurde 1972 von der Deutschen Hypothekenbank gestiftet und zählt zu den ältesten und bestdotierten in Deutschland. Bislang ist eine Vielzahl deutscher und internationaler Forscher geehrt worden. Mit der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille 2006/2007 wurde etwa der Nobelpreisträger für Medizin, Professor Dr. Harald zur Hausen, ausgezeichnet.

Johann-Georg-Zimmermann-Preis 2010/2011 Von Genen zur individualisierten Therapie

PD Dr. Hans Christian Reinhardt (34), Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe, und sein Team erforschen neue Krebstherapien, die gezielt die Tumorzellen zerstören, während gesundes Gewebe geschont wird. Dr. Reinhard identifiziert Driver Mutationen, die wesentlich zur Tumorentstehung beitragen. Sie setzen in den Tumorzellen neue Prozesse in Gang, die in gesunden Zellen nicht stattfinden. Die Unterdrückung dieser Prozesse ist für Tumorzellen giftig, während gesunde Zellen dies tolerieren können. Dr. Reinhardt nutzt den Mechanismus der „Synthetische Letalität“ bei der zwei Gene von einander abhängig sind: So kann zwar der Verlust des einzelnen Gens, beispielsweise durch eine Mutation, von der Zelle toleriert werden, aber der gleichzeitige Verlust beider Gene kann für die Zelle tödlich sein. Dr. Reinhardts Team identifiziert solche Partnergene der Driver Genmutationen und unterdrückt die Expression dieser Gene. Die nur in Krebszellen stattfindenden Prozesse werden so gestoppt, die Tumorzelle teilt sich nicht mehr und stirbt im besten Fall ab. Eine solche Therapiestrategie ist hochspezifisch für Krebszellen, denn nur sie tragen die Driver Mutation. Gesunde Zellen werden mit dieser Strategie geschont. Dr. Reinhardt identifizierte kürzliche eine Vielzahl dieser Wechselwirkungen: Unter anderem das synthetisch letale Partnergen der prominenten Tumorsupressorgene p53 und ATM. Das neue Konzept ließ Dr. Reinhardt patentieren. Der Therapieansatz konnte bereits erfolgreich in Mausmodellen getestet werden. Gemeinsam mit einem Pharmakonzern wird es in einer klinischen Studie getestet, die Ende 2010 angelaufen ist.

Johann-Georg-Zimmermann-Medaille 2010/2011 Mausmodelle zur Entstehung und Therapie menschlicher Tumoren

Professor Dr. Klaus Rajewsky (74) wird für seine Arbeiten zur Entwicklung und Funktion der B-Zellen des Immunsystems, mit der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille 2010/2011 ausgezeichnet. Unter anderem war es ihm in den neunziger Jahren mit Kollegen gelungen, B-Zellen als Ursprungszellen des häufigsten Lymphdrüsenkrebses, des Hodgkin-Lymphoms, zu identifizieren. Zur selben Zeit entwickelte der damalige Professor für Molekulargenetik an der Universität Köln mit seinen Mitarbeitern die konditionale Mausmutagenese, eine Technik, mit der in Mäusen gezielt Gene in bestimmten Geweben und zu bestimmten Zeitpunkten ein- und ausgeschaltet werden können. Biomedizinische Forscher setzen diese Methode heute weltweit ein, um die Funktion von Genen im Körper zu untersuchen.

Fast 40 Jahre forschte Professor Rajewsky erfolgreich in Köln. Statt mit 65 in den Ruhestand zu gehen, ging er an die Harvard Medical School nach Boston in die USA. Heute untersucht er dort Mechanismen der Entstehung von Krebserkrankungen im Immunsystem und die Bedeutung der microRNAs für die Entwicklung und Funktion des Immunsystems. MicroRNAs sind kleine Moleküle, die aus Ribonukleinsäure bestehen und an der Genregulation beteiligt sind. Ende dieses Jahres wird er ans Max-Delbrück-Zentrum in Berlin wechseln und dort eine neue Arbeitsgruppe aufbauen.

Professor Rajewsky erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Darüber hinaus ist er Ehrendoktor von Universitäten in Paris, Frankfurt und Berlin sowie Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland, darunter der National Academy of Sciences der USA.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Michael P. Manns, Vorsitzender des Kuratoriums des Johann-Georg-Zimmermann-Vereins, manns.michael@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-3306.
Ein Foto der Preisträger erhalten Sie in der MHH-Pressestelle.

So erreichen Sie die beiden Preisträger:

Johann-Georg-Zimmermann-Preis:
PD Dr. Hans Christian Reinhardt, christian.reinhardt@uk-koeln.de, Telefon (0221) 4726-617

Johann-Georg-Zimmermann-Medaille:
Professor Dr. Klaus Rajewsky, rajewski@idi.harvard.edu, Telefon (001) 617-713-8801