Das mehrfach Oscarprämierte Meisterwerk „The King’s Speech“ zeigt einfühlsam, wie sehr Albert Frederick Arthur George, später bekannt als Georg VI., durch sein Stottern beeinträchtigt wird. Nach zahlreichen erfolglosen Arztbesuchen hilft ihm erst die Unterstützung seines Sprachtherapeuten Lionel Logue. Am Ende des Films gelingt es Georg VI., sein Stottern zu beherrschen und gefühlvoll vor Publikum zu sprechen.

Die Stotterer-Selbsthilfe Baden-Württemberg e.V. und die Sprachambulanz der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zeigen, dass dieses Ende auch im realen Leben möglich ist: Unter dem Titel „Fokus Stottern: Stottertherapie – So wie so“ findet am Samstag, 09. April 2011, ab 09.30 Uhr eine Vortragsveranstaltung zur Präsentation von Therapieansätzen für Jugendliche und Erwachsene in den Räumen der Hochschule statt. Anhand mehrerer Vorträge werden die beiden großen Therapierichtungen Fluency Shaping sowie die Stottermodifikation vorgestellt, deren Stärken aufgezeigt und in der Synthese ein integratives Konzept zu einem personenbezogenen therapeutischen Vorgehen dargestellt.

Die Möglichkeiten an Therapien im Bereich Stottern sind vielfältig. Da fällt es sowohl Betroffenen als auch Fachleuten schwer, den Überblick zu behalten. „So wie so“ haben beide Richtungen hilfreiche Ansätze, die den Betroffenen helfen, mit ihrer Behinderung umzugehen. Warum sich also für einen Therapieansatz entscheiden?

Über den Therapieansatz Fluency Shaping berichtet Dr. Johannes von Tiling von der Universität Kassel. Bei diesem Therapieansatz lernen die Betroffenen, auf eine neue Art zu sprechen: Zu Beginn der Therapie wird das Sprechen erst stark verlangsamt. Dabei lernt der Stotternde seine Atmung und Sprechbewegungen zu kontrollieren, bis die Kontrolle der Sprechtechnik fast automatisch gelingt. Von Tiling zeigt in seinem Vortrag außerdem Beispiele aus der Kasseler Stottertherapie auf.
Bei der Stottermodifikation erlernen Stotternde die Fähigkeit, mögliche Unterbrechungen im Redefluss zu erkennen und zu kontrollieren. Sie wird auch als Nichtvermeidungsansatz bezeichnet. Über diese Therapie spricht Hartmut Zückner, stellv. Leiter der Lehranstalt für Logopädie des Uniklinikums Aachen.
Nach der Vorstellung der beiden Therapieansätze präsentiert Prof. Christian Glück, Professor für Pädagogik und Didaktik der Sprachbehinderten an der Pädagogische Hochschule, die Ergebnisse der Langzeitstudie der TURS.
Dr. Stephan Baumgartner, akademischer Direktor an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Leiter der Beratungsstelle für Stotternde und ihre Angehörige, spricht anschließend unter dem Motto „Sprechwerkzeuge stottern nicht“ darüber, wie der Mensch sein Sprechen verändert.

Im Anschluss an die Vorträge gibt es die Möglichkeit zur Diskussion. Aber auch in den Pausen besteht die Gelegenheit, sich mit den Referenten auszutauschen. Im Foyer der Hochschule ist außerdem ein „Markt der Möglichkeiten – Therapiebasar“ aufgebaut, der Informationen über die Therapieansätze bereit hält. Weiterhin können Informationen zur Stotterer-Selbsthilfe eingeholt werden.

An der Pädagogischen Hochschule Heidelberg werden über 4.200 Studierende von etwa 180 Lehrenden unterrichtet. Kernaufgabe der Hochschule ist die Bildung von Lehrerinnen und Lehrern für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Werkrealschulen, Realschulen sowie Sonderschulen mit abschließendem Staatsexamen. Als bildungswissenschaftliche Hochschule ist sie außerdem mit der Qualifikation anderer pädagogischer Berufsgruppen beauftragt.
Die Sprachambulanz ist eine sprachtherapeutische Praxis-, Forschungs- und Ausbildungseinrichtung der PH Heidelberg. Sie erbringt sprachtherapeutische Leistungen im Sinne der Heil- und Hilfsmittelrichtlinien und bieten den Studierenden für ihre praktische Ausbildung die Mitarbeit an sprachtherapeutischen Maßnahmen an.