MLL-Leukämie ist eine Form des Blutkrebses, die besonders häufig bei Kindern auftritt. Etwa 80 Prozent aller Leukämie-Fälle die bei Kindern bis zu einem Jahr auftreten sind von diesem besonders aggressiven Subtyp. Trotz großer Erfolge bei der Behandlung von Leukämien bei Kindern im Allgemeinen zählt die MLL-Leukämie immer noch zu den großen Problemen in der klinischen Praxis. Nur etwa die Hälfte der kleinen Patienten kann geheilt werden. Mit der Erklärung, warum die betroffenen Blutzellen ein ungehemmtes Wachstumsverhalten zeigen, sind die Forscher einer Therapie für die Krankheit möglicherweise einen Schritt näher gekommen.

Das für die Entstehung der MLL-Leukämie verantwortliche Tumorprotein, ein verändertes Eiweißmolekül, regt die leukämiebefallenen Blutzellen an Faktoren zu produzieren, die bewirken, dass sich die Zellen mit abnormal hoher Geschwindigkeit teilen und so vermehren. Außerdem deaktiviert das Protein die natürlichen Bremsen in der Zelle, die normalerweise genau diese Überproduktion verhindern. „Es ist so ähnlich, als ob jemand im Auto einen Ziegelstein auf das Gaspedal legt und zusätzlich noch die Bremsleitungen durchschneidet“, beschreibt Professor Slany. Mit den neuen Erkenntnissen hoffen die Wissenschaftler nun gezielt eine potenzielle Behandlungsmöglichkeit entwickeln zu können, „die Sand in das Getriebe der Zellen streut“, sagt Slany, und die Vorgänge im Inneren wieder auf Normalgeschwindigkeit bringt.

Die Ergebnisse der FAU-Forscher wurden jetzt im renommierten Magazin Cell Reports veröffentlich. Möglich wurde dieser Forschungserfolg durch die Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des neu gegründeten Bayerischen Netzwerkes für molekulare Biosysteme.

Ansprechpartner für die Medien:
Prof. Dr. Robert Slany
Tel.: 09131/85-28527
rslany@biologie.uni-erlangen.de