Privatdozentin Dr. Alla Skapenko erhält den Preis für ihre herausragenden Arbeiten zur Aufklärung der Rolle von T-Zell-Funktionsstörungen bei Patienten mit rheumatoider Arthritis. Die so genannten CD4-positiven T-Zellen sind Immunzellen, die sich zu unterschiedlichen Subgruppen mit entweder entzündungsfördernder oder entzündungsdämpfender/immunmodulierender Aktivität weiterentwickeln können. Beim Gesunden stehen den Zellen beide Entwicklungswege offen und werden, je nach Bedarf des Immunsystems, initiiert.

Skapenko wies nach, dass bereits zu Beginn einer rheumatoiden Arthritis ein Defizit der CD4-positiven T-Zellen besteht, das die Entwicklung einer immunmodulierenden Zellfunktion einschränkt. Die Wissenschaftlerin identifizierte den dafür verantwortlichen Gendefekt der Zellen, der zu einer Resistenz der Zellrezeptoren gegenüber den die Ausdifferenzierung anstoßenden Botenstoffen (im vorliegenden Fall Zytokin Interleukin-4) führt. Dieser Gendefekt hat also bedeutende Auswirkungen auf die Immunregulation. Alla Skapenko erbrachte damit die lückenlose Beweiskette eines wichtigen Faktors in der Krankheitsentstehung der rheumatoiden Arthritis von der Identifikation der beobachteten Funktionsstörung bis zu Aufklärung von deren Ursache.

Alla Skapenko hat Biologie in Nowosibirsk, Russland, studiert und ihre Doktorarbeit zur Rolle der T-Zell-Differenzierung bei der Autoimmunität an der Medizinischen Klinik III und am Lehrstuhl für Genetik der Universität Erlangen absolviert. In Erlangen war sie dann als Postdoktorandin und Arbeitsgruppenleiterin tätig, bis sie 2007 die Leitung des Forschungslabors der Rheumaeinheit der Universität München übernahm, wo sie 2012 habilitierte. Sie ist Trägerin zahlreicher Preise, unter anderem des Rudolf-Schoen-Preises der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, des Hans Hench-Promotionspreises für Klinische Immunologie und des Young Investigator Awards der European League Against Rheumatism.

Dr. Xenofon Baraliakos wird ausgezeichnet für seine Arbeiten zum Zusammenhang von Entzündung und Knochenneubildung bei Patienten mit axialer Spondyloarthritis. Bei dieser Erkrankung, die im frühen Erwachsenenalter mit Rückenschmerzen beginnt und im Laufe der Jahre hauptsächlich bei Männern stärker fortschreitet, kommt es zunächst zu einer Entzündung im gesamten Wirbelsäulenbereich und im späteren Verlauf zu Knochenneubildungen mit knöchernen Verwachsungen der Wirbelkörper und –gelenke. Das führt zu einer zunehmenden Einschränkung der Beweglichkeit bis hin zur völligen Versteifung des gesamten Rückens.

Der Schritt von der Entzündung bis zur Knochenneubildung war jedoch bisher unklar. Anhand von vergleichenden Langzeituntersuchungen, die sowohl konventionelle Röntgenbilder als auch Kernspintomographie-Bilder berücksichtigten, wiesen Baraliakos und Kollegen nach, dass dieser Verknöcherungsprozess nach der beginnenden Entzündung der Wirbelgelenke zu einer Umwandlung dieser Strukturen zu Fettgewebe kommt und dass erst diese Fettveränderung die Grundlage für die weitere Knochenneubildung ist. Ohne Umwandlung in Fettgewebe fand sich keine Neubildung von Knochenbrücken zwischen den Wirbelkörpern. Diese Umwandlung findet jedoch offenbar nur dann statt, wenn Patienten langfristig nicht ausreichend antientzündlich behandelt werden.

Xenofon Baraliakos und seine Kollegen schließen daraus, dass das Fortschreiten der Erkrankung in Richtung Versteifung eine Folge langjähriger, unbehandelter entzündlicher Aktivität ist. Die Ergebnisse stützen die Hypothese, eine wirksame antientzündliche Behandlung, z. B. mit einem TNF-Blocker, bei entsprechenden klinischen Symptomen möglichst früh zu beginnen hat.

Xenofon Baraliakos hat Medizin in Magdeburg und Berlin studiert und seine klinische Ausbildung an der Klinik für Orthopädie am St. Anna Hospital in Herne und am Rheumazentrum Ruhrgebiet gemacht. Er ist sowohl Facharzt für Orthopädie als auch Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie und arbeitet heute als Oberarzt am Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen, u. a. des Young Investigator Awards der European League Against Rheumatism, des Forschungspreises der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew und des Excellence in Clinical Research Award der European Society for Clinical Investigation.

Der Dr. Walter und Luise Freundlich-Preis gehört zu den höchstdotierten medizinischen Nachwuchspreisen in Deutschland. Das Thema des Forschungspreises wechselt jährlich und wird von der Stiftung kontinuierlich neu festgelegt. Die Stifterin, Luise Freundlich, fördert die medizinische Wissenschaft in Deutschland – dabei hat sie ganz im Geiste ihres Mannes und als Zeichen der Versöhnung verfügt, dass deutsche medizinische Nachwuchswissenschaftler, die ihr Talent und Engagement mit herausragenden Arbeiten nachgewiesen haben, gefördert werden. Wichtig sind ihr bedeutende wissenschaftliche Leistungen – verbunden mit höchsten ethischen Grundsätzen.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als 1.400 Mitgliedern die größte medizinische Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert seit mehr als 80 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirt¬schaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.