Mehrere Kliniken und das Robert Koch-Institut beschreiben in den letzten Jahre wiederholt Fälle von Patienten mit einem juckenden, schmerzhaften Hautausschlag. Den Ärzten fielen auch grippeartige Symptome wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen auf. Ein Patient litt zudem unter einer schweren Hornhautentzündung am Auge. Alle Betroffenen gaben an, zuvor Kontakt mit Farbratten gehabt zu haben, die sie in Zoohandlungen gekauft hatten. Die meisten Ratten zeigten wenige Tage nach dem Kauf verschorfende Wunden und starben an Atemwegserkrankungen.

Einen besonders schweren Fall beschreibt Dr. med. Sybille Graef von der Universitätsaugenklinik in Freiburg. Eine Patientin wurde mit einer starken Entzündung der Hornhaut aufgrund einer chronischen Kuhpockeninfektion eingeliefert. Trotz gezielter Behandlung ließ sich die Infektion nur unzureichend bekämpfen. Die Frau verlor in der Folge einen Großteil ihres Sehvermögens. Erst nach einer Hornhauttransplantation konnten die Ärzte die Entzündung im Auge eindämmen.

„Derart schwerwiegende Symptome veranlassen uns, zu höchster Vorsicht im Umgang mit den Tieren zu raten“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG aus Frankfurt. Die kranken Ratten übertragen die Viren wahrscheinlich beim direkten oder indirekten Kontakt des Menschen mit Wundschorf, zum Beispiel beim Streicheln der Ratte. Das Besondere an den aktuellen Fällen belegt eine Dokumentation einer Krefelder Klinik: Die Erreger ähneln sich im Erbgut stark. Bisher kamen Kuhpocken nur mit unterschiedlichem oder wechselndem Erbgut, also unterschiedlichen Virusstämmen vor. Seit Ende 2008 jedoch häufen sich Fallmeldungen von Infektionen mit ein und demselben Virusstamm. „Es ist deshalb zu befürchten, dass sich weitere Menschen anstecken“, warnt Professor Dr. med. Thomas Reinhard, Direktor der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Das menschliche Pockenvirus gilt seit den Siebzigerjahren als ausgerottet. Kuhpocken sind eine mildere Erkrankung, die in der Regel nur örtlich begrenzt Infektionen auslösen. Bei Kühen wurden sie schon einige Jahre nicht mehr diagnostiziert. Als Hauptüberträger gelten Katzen und Nagetiere. Da Farbratten als Haustiere zunehmend an Beliebtheit gewinnen, halten Experten eine Ausbreitung der Kuhpocken für möglich.

Die DOG empfiehlt Rattenbesitzern darum Vorsicht im Umgang mit den Tieren. Sie sollten die Hände nach dem Streicheln des Tieres nicht in die Nähe der Augen bringen. Hygiene wie gründliches Händewaschen und regelmäßige Reinigung seien absolut notwendig. Ist die Haut des Tieres wund oder verschorft, sollten Menschen den Kontakt meiden. Neben den Haltern müssen auch Zoohandlungen, Ärzte und Veterinärmediziner über die Risiken einer Kuhpockeninfektion aufgeklärt werden.

Literatur: Graef, S.; Kurth, A.; Auw-Haedrich, C.; Plange, N.; Kern, W.; Nitsche, A.; Reinhard, T.: Clinicopathological findings in persistent corneal cowpox infection 2013/8, 1089-1091; JAMA Ophthalmology Vol. 131 No. 8

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

*****************************************
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167