Der erstmals 2007 auf Datenbasis der Potsdamer EPIC**-Studie erstellte Diabetes-Test erlaubt es Erwachsenen, das persönliche Typ-2-Diabetes***-Risiko einfach und sehr präzise zu bestimmen. Neu ist, dass sich nun mit Hilfe des Fragebogens der Einfluss der familiären Vorbelastung ermitteln und im Vergleich zu anderen Risikofaktoren, wie zum Beispiel dem Alter, quantifizieren lässt. „So hätte ein Fünfzigjähriger, dessen Vater oder Mutter an Typ-2-Diabetes erkrankt ist, ein Risiko wie ein Sechzigjähriger ohne Vorbelastung“, erklärt Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des DIfE.

Bei Vorliegen einer familiären Belastung sei also eine besonders intensive Prävention durch eine Ernährungs- und Lebensstilumstellung angezeigt, sagt der Mediziner und Pharmakologe weiter. „Nutzer des Tests können dabei anhand der vergebenen Punktzahl abschätzen, inwieweit sie ihr persönliches Risiko selbst günstig beeinflussen können, indem sie zum Beispiel ihren Taillenumfang reduzieren oder ihren Vollkornbrotverzehr erhöhen“, ergänzt Kristin Mühlenbruch, Erstautorin der oben zitierten Studie.

„Das Gute an Typ-2-Diabetes ist, dass sich durch rechtzeitig angewandte, gezielte präventive oder therapeutische Maßnahmen die Erkrankung und damit auch schwere Folgeschäden verhindern oder zumindest hinauszögern lassen“, sagt Matthias Schulze, Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am DIfE. Zu den Folgeerkrankungen zählen u. a. Schädigungen der Augen und Nieren, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Die Wissenschaftler des DIfE würden es daher begrüßen, wenn Allgemeinmediziner den Patientenfragebogen zusammen mit einer einfachen Blutzuckeruntersuchung im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung nutzten, um das Risikoprofil einer Person ab dem 35. Lebensjahr zu bestimmen. Präventionsmaßnahmen ließen sich so sinnvoll auf die Gruppe der Hochrisikopersonen begrenzen. Darüber hinaus sei der Test für eine anschließende, quantitative Erfolgskontrolle nutzbar.

Derzeit beinhaltet der kostenlose Gesundheits-Check-up für gesetzlich versicherte Frauen und Männer ab 35 Jahren neben einer Untersuchung zum Ganzkörperstatus auch Laboruntersuchungen inklusive einer Überprüfung des Blutzuckers. Ein zusätzliches Einbeziehen des von DIfE-Wissenschaftlern entwickelten Tests könne also hinsichtlich des Diabetes-Risikos ohne größeren Aufwand ein objektives Gesamtergebnis liefern und damit die ärztliche Entscheidung unterstützen, so Joost.

Literatur:

K. Mühlenbruch et al. 2014: Update of the German Diabetes Risk Score and External Validation in the German MONICA/KORA study;

K. Mühlenbruch et al. 2014: Vorhersage des Risikos für Typ-2-Diabetes in der deutschen Bevölkerung mit dem aktualisierten DRT (DIfE – DEUTSCHER DIABETES-RISIKO-TEST®). Ernährungsumschau; in press.

Hintergrundinformationen

* Der DIfE – DEUTSCHER DIABETES-RISIKO-TEST® (DRT) ist als Online- und Fragebogenversion unter abrufbar. Der Test basiert auf den Daten von mehr als 27.000 Teilnehmern der Potsdamer EPIC**-Studie und wurde an Daten der Heidelberger EPIC-Studie, der Tübinger Familienstudie für Typ-2-Diabetes, der Studie „Metabolisches Syndrom Berlin Potsdam“ sowie der MONICA/KORA (MONItoring trends and determinants in CArdiovascular disease /Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg)-Studie validiert. Sowohl der Fragebogen für Privatpersonen als auch der Patientenfragebogen erlauben es, das individuelle Typ-2-Diabetes-Risiko einer Person sehr präzise für einen Zeitraum von fünf Jahren zu bestimmen.

** EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

*** Etwa 90 Prozent der Menschen mit Diabetes leiden an einem Typ-2-Diabetes, der landläufig auch als Alterszucker bekannt ist. Die Krankheit beginnt schleichend, so dass sie oftmals viel zu spät erkannt wird – nämlich erst dann, wenn bereits Endorganschäden vorhanden sind. Zu den schweren Spätfolgen zählen Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Niereninsuffizienz und der Verlust von Gliedmaßen durch Amputation.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) ist ein nationaler Verbund, der Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung bündelt und Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung im Sinne der translationalen Forschung verzahnt. Mitglieder sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke, das Paul Langerhans Institut des Carl Gustav Carus Universitätsklinikums Dresden und das Institut für Diabetesforschung und metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums Münchens an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Ziel des DZD ist es, Antworten auf offene Fragen in der Diabetesforschung zu finden und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Näheres unter .

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten DZD.

Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 89 Einrichtungen, die anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Einrichtungen rund 17.200 Menschen – darunter 8.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bei einem Jahresetat von insgesamt knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für die Wissenschaft. Näheres unter .

Kontakt:

Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost
wissenschaftlicher Direktor
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200 88-2416
E-Mail: joost@dife.de

Prof. Dr. Matthias Schulze
Abteilung Molekulare Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200 88-2434
E-Mail: mschulze@dife.de

Dr. Kristin Mühlenbruch
Abteilung Molekulare Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200 88-2438
E-Mail: Kristin.Muehlenbruch@dife.de

Dr. Gisela Olias
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
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