Wie die Elektrotherapie funktioniert und wer davon profitiert, darüber informiert die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) auf einer Pressekonferenz am 20. März 2014 anlässlich ihrer 58. wissenschaftlichen Jahrestagung und dem parallel stattfindenden Internationalem Kongress für Klinische Neurophysiologie (ICCN) in Berlin.

Weltweit leiden mehr als zehn Prozent der Erwachsenen an Migräneattacken, bei einem Zehntel davon sprechen Experten von chronischer Migräne. Das bedeutet, dass an mindestens 15 Tagen im Monat Symptome auftreten. Darüber hinaus gibt es rund 100 000 Menschen in Deutschland mit Clusterkopfschmerzen, wegen ihrer Intensität auch Suizid-Kopfschmerzen genannt. „Relativ häufig sprechen diese Patienten auf Standardtherapien nicht an“, sagt Professor Dr. med. Andreas Straube, Vorstandsmitglied der DGKN und Kopfschmerzspezialist am Universitätsklinikum Großhadern in München.

Deshalb suchen Forscher bereits seit einigen Jahren nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehört die elektrische Stimulation des Hinterhauptnervs (Okzipitalnervs, ONS), des Vagusnervs (VNS) oder des Ganglion sphenopalatinum – eines hinter der Nasenwurzel liegenden Nervenknotens. „Studien haben hier erste vielversprechende Ergebnisse geliefert“, erklärt Straube. So ergab eine Untersuchung zur Wirkung der ONS bei chronischer Migräne (ONSTIM-Studie) eine deutliche Verbesserung der Beschwerden bei fast 40 Prozent der Patienten. Andere Arbeiten belegten eine Wirkung der ONS auch bei Menschen mit chronischem Clusterkopfschmerz.

Bei der ONS werden zwei Elektroden unter die Haut im Nackenbereich transplantiert. Die elektrischen Impulse kann der Patient mit einer Handfernbedienung einstellen. Im Unterschied dazu ist bei einer VNS ein operativer Eingriff nicht in jedem Fall nötig: Wissenschaftler sind derzeit dabei, die Wirkung einer direkten elektrischen Stimulation des Vagusnervs am Hals beziehungsweise an der Ohrmuschel zu erforschen.

Zur Stimulation des Ganglion sphenopalatinum gibt es bislang positive Ergebnisse in Bezug auf Clusterkopfschmerz: In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte die gezielte Stimulation bei 36 Prozent der Patienten die Attacken-Frequenz um mehr als die Hälfte reduzieren. Die Elektrode wird hier am Oberkiefer implantiert und von außen bedient. „Im Unterschied zur ONS hat die Reizung des Ganglion sphenopalatinum offenbar auch eine prophylaktische Wirkung“, erklärt der Experte im Vorfeld der Pressekonferenz im Rahmen des ICCN.

Diese Verfahren können auch Nebenwirkungen haben. Möglich seien Infektionen oder einen Elektrodenbruch, so Straube. Auch wenn dies in der Regel nicht schwerwiegend sei – er empfiehlt Betroffenen, sich nur in einem der sechs spezialisierten Zentren in Deutschland, zum Beispiel der Charité Berlin oder dem Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum München, behandeln zu lassen.

Weitere Informationen zum aktuellen Stand der Forschung geben Experten auf der DGKN-Pressekonferenz am 20. März 2014 von 12 bis 13 Uhr im Estrel Berlin.

Zum Kongress-Programm:

Quellen:
• Redemanuskript Professor Straube (ab dem 20. März 2014 abrufbar unter: )
• Saper JR et al. „Occipital nerve stimulation for the treatment of intractable chronic migraine headache: ONSTIM feasibility study.” Cephalalgia. 2011 Feb; 31(3):271-85.
• Schoenen J et al. „Stimulation of the sphenopalatine ganglion (SPG) for cluster headache treatment. Pathway CH-1: a randomized, sham-controlled study.“ Cephalalgia. 2013; 33(10):816-30.
• Martelletti P et al. „Neuromodulation of chronic headaches: position statement from the European Headache Federation.” J Headache Pain. 2013; 14(1):86.

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Terminhinweis:

Kongress-Pressekonferenz:
Zeit/Ort: Donnerstag, 20. März 2014, 12.00 bis 13.00 Uhr, Raum Saint Tropez (EG), Estrel Berlin

Eines der Themen:
„Wenn herkömmliche Schmerzmittel keine Wirkung zeigen: Stimulationsmethoden und andere moderne Therapien helfen bei Migräne und chronischen Schmerzen“
Professor Dr. med. Andreas Straube
2. Sekretär der DGKN, Oberarzt an der Neurologischen Klinik und Poliklinik, Klinikum der Universität München/Großhadern

Zum Programm der Pressekonferenz:

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Pressestelle DGKN
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