Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) hat auf ihrer Jahrestagung in Freiburg die besonderen Leistungen von Ärzten und Wissenschaftlern aus Aachen, Bonn, Braunschweig, Düsseldorf, Heidelberg, Jena, Lübeck, München und Nürnberg mit Preisen gewürdigt. Auf der Eröffnungsfeier der Tagung wurden die Preise und Stipendien durch den DGTHG-Präsidenten Professor Jochen Cremer und den DGTHG-Sekretär Professor Anno Diegeler übergeben.

Der Nachwuchsförderpreis der DGTHG wurde an Dr. Simon Schwill (29), Universitätsklinikum Heidelberg, vergeben. Mit dem Nachwuchsförderpreis, der mit 1.000 Euro dotiert ist, werden jährlich experimentelle und klinisch relevante Promotionsarbeiten aus dem gesamten Bereich der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie ausgezeichnet. Schwill befasste sich in seiner Arbeit dem sogenannten Marfan-Syndrom und beschrieb ein gentherapeutisches Verfahren im Tiermodell zur Behandlung der Auswirkungen des vererbbaren Bindegewebedefektes auf die Blutgefäße.

Der nach einem Pionier der deutschen Herzchirurgie benannte und mit 5.000 Euro dotierte „Ernst-Derra-Preis“ ging in diesem Jahr an Dr. Philipp Jungebluth (33), Assistenzarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie in Braunschweig. Er wurde für seine Arbeit im Bereich der Gewebeaufbereitung und der Zelltherapie bei Erkrankungen des Thorax ausgezeichnet. Basierend auf den Ergebnissen seiner Forschung konnten bereits mehrere Patienten mit einer „gezüchteten Luftröhre“ therapiert werden. Der Vorteil des entwickelten Verfahrens ist, dass die Patienten, anders als bei herkömmlichen Transplantationen, im Nachhinein keine Medikamente benötigen, die das Immunsystem unterdrücken. Hierdurch kann eine Vielzahl von Komplikationen verhindert werden, die normalerweise nach einer Organtransplantation auftreten. Die Hoffnung ist nun, dass dieses Verfahren auch auf andere Organe und Gewebe übertragen werden kann.

Dr. Nima Hatam (35), Assistenzarzt an der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Aachen, wurde von der Gutachterkommission der DGTHG das mit 7.500 Euro ausgestattete thoraxchirurgische Forschungsstipendium der Fachgesellschaft zugesprochen. Hatam erhält das Stipendium im Zusammenhang mit seiner Erforschung der therapeutischen elektrischen Stimulation des Lungennervensystems. Hierüber sollen sowohl der mit der Atmung wechselnde Durchmesser der Gefäße in der Lunge als auch die Weite der Bronchien beeinflusst werden.

Der mit 5.000 Euro dotierte Franz-Köhler-Preis für besondere Leistungen in Forschung oder klinischer Praxis auf dem Gebiet der Organprotektion ging in diesem Jahr an zwei Ärzte: PD Dr. Andreas Goetzenich (36), geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsklinik Aachen, wurde für seine Forschung zu der Frage ausgezeichnet, wie vor einer erwarteten Organschädigung durch eine externe Stimulierung zellinterne Schutzmechanismen aktiviert werden können, um die Schädigung am Herzen zu minimieren. Professor Thomas Minor (52), Leiter der chirurgischen Forschung der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Bonn, erhielt den Preis für seine klinisch-experimentellen Leistungen in der Entwicklung und Erprobung von Methoden zur Aufbereitung von Transplantationsorganen, die vor der Transplantation zeitweilig nicht mit Blut versorgt wurden.

Den gefäßchirurgischen Preis der DGTHG erhielt Dr. Alexander Weymann (34), Assistenzarzt der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg. Seine mit einem Preisgeld von 5.000 Euro prämierte Arbeit zeigt wesentliche Unterschiede des Gefäßwiderstandes bei der Implantation von konventionellen Prothesen gegenüber Segmenten menschlichen Gewebes denen Zellen entzogen wurden.

Der Dr. Rusche-Forschungsprojekt-Preis wird von der DGTHG zusammen mit der deutschen Stiftung für Herzforschung, einer Schwesterorganisation der Deutschen Herzstiftung, vergeben. Mit einer Gesamtsumme von rund 60.000 Euro wird in den nächsten beiden Jahren das Forschungsvorhaben von Dr. Marcus-André Deutsch (32), Assistenzarzt an der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums München gefördert. Ziel des Forschungsprojekts ist es, herzeigene Regenerationsvorgänge nach einem Herzinfarkt genauer zu untersuchen, um auf diesen Erkenntnissen neue Methoden bei der Behandlung von Patienten nach einem Herzinfarkt zu entwickeln.

Den mit 5.000 Euro dotierten St.-Jude-Medical-Preis verlieh die DGTHG Bastian Graser (28), der in der Abteilung für medizinische und biologische Informatik des Deutschen Krebszentrums Heidelberg als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. In der ausgezeichneten Arbeit wird ein computergestütztes Verfahren zur verbesserten Planung einer Mitralklappenrekonstruktion vorgestellt. Hierdurch eröffnen sich neue Möglichkeiten zur patientenspezifischen Anpassung der Behandlung.

Nur alle zwei Jahre wird der mit 10.000 Euro dotierte Wissenschaftspreis der Ulrich-Karsten-Stiftung für hervorragende wissenschaftliche Leistungen mit zukunftsorientierter Forschungsintention verliehen. In diesem Jahr erhielt den Preis Dr. Alexander Assmann (32), Assistenzarzt an der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Er erforschte die Optimierung der Biokompatibilität von Herzklappen- und Gefäßprothesen. Auf Basis der erzielten Resultate gibt es Hinweise, dass die Haltbarkeit von biologischen Implantaten deutlich verlängert werden kann.

Nach dem Herzchirurgen Hans Georg Borst ist der Preis benannt, mit dem die DGTHG jährlich das am besten bewertete Abstract der jeweiligen Jahrestagung prämiert. In diesem Jahr erhalten den mit jeweils 1.000 Euro dotierten Preis Dr. Giuseppe Santarpino (34), Funktionsoberarzt der Klinik für Herzchirurgie in Nürnberg, Dr. Mahmoud Diab (39), Oberarzt an der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Jena, sowie Professor Hans-Hinrich Sievers (61), Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (Campus Lübeck). Die Themen der ausgezeichneten Abstracts sind die Ergebnisse einer multizentrischen Studie zu den Ergebnissen von chirurgischen Aortenklappen-Reoperationen bei Patienten über 80 Jahre, der fehlende Einfluss eines Schlaganfalls auf die Patientensterblichkeit bei Herzklappenentzündungen sowie die Behandlung der Hauptschlagader in Abhängigkeit vom Typ der Veränderung der zweizipfligen Aortenklappe.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der über 1.000 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgen im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.
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