Krankenhaus-assoziierte, sogenannte nosokomiale Infektionen nehmen stark zu. Insbesondere in der Chirurgie kommt es nach Operationen immer wieder zu Wundinfektionen. Sie stellen mit jährlich 60.000 bis 200.000 Fällen in Deutschland die häufigste postoperative Komplikation dar und haben nicht selten schwerwiegende Folgen für die Patienten. Die Betroffenen müssen sich einer deutlich verlängerten Behandlung unterziehen, geschätzte 7.500-15.000 Menschen jährlich sterben sogar an den Folgen der Infektion. Vor allem bei bauchchirurgischen Eingriffen ist die Infektionsrate hoch, da im Darm viele Bakterien zu finden sind, die während der Operation zu einer Kontamination des Operationsfeldes und in der Folge zu Wundinfektionen führen können.

Wissenschaftler um Prof. Jörg Kleeff von der Klinik für Chirurgie am Klinikum rechts der Isar konnten nun zeigen, dass postoperative Wundinfektionen mit einer simplen und kostengünstigen Maßnahme gesenkt werden können. Das Prinzip ist denkbar einfach: Während der Operation werden die Wundränder mit einer bakterienundurchlässigen Folie geschützt, so dass Keime gar nicht erst in die Wunde eindringen können. Der erstaunliche Effekt: In der Gruppe von Patienten, die mit der Bauchfolie behandelt wurden, traten 35 Prozent weniger Wundinfektionen auf als bei der Kontrollgruppe, die die standardmäßige Abdeckung mit Bauchtüchern erhielt. Insbesondere bei Eingriffen am Dick- und Mastdarm, wo eine besonders hohe Keimdichte vorliegt, zeigte die Bauchfolie ihre Wirkung. Prof. Kleeff: „Konservativ geschätzt ließen sich mit der Bauchfolie rund ein Drittel der postoperativen Wundinfektionen in der Abdominalchirurgie verhindern. Das sollte uns dazu veranlassen, die Bauchfolie flächendeckend in der Chirurgie zu etablieren“.
Der Chirurg weist darauf hin, dass die Idee der Wundrandabdeckung zwar nicht neu ist, aber bisher nicht ausreichend untersucht wurde: „Viele Studien wurden methodisch so unzureichend durchgeführt, dass keine fundierte Aussage über die Effektivität der Bauchfolie getroffen werden konnte. Mit unserer aktuellen Studie, in die über 600 Patienten einbezogen wurden, haben wir dazu jetzt belastbare Zahlen. Mit Hilfe des chirurgischen Studiennetzwerks CHIR-Net haben wir das Projekt gemeinsam mit 15 Partnerkliniken durchgeführt und konnten überall denselben Effekt sehen – das untermauert unsere Ergebnisse sehr solide.“ Das Studiennetzwerk CHIR-Net wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziell gefördert.