Die weltgrößte Vereinigung von Zahnärzten, die International Association for Dental Research (IADR), hat Priv.-Doz. Dr. A. Rainer Jordan von der Universität Witten/Herdecke zu einem der Direktoren der Forschungsgruppe ernannt. Mehr als 12.000 Mitglieder zählt die IADR, die damit die wichtigste Organisation für Forschungsarbeiten zur Mundgesundheit weltweit darstellt.

Jordan wird damit für seine Forschungsleistung geehrt, die er zum Thema Mundgesundheit in den letzten Jahren erbracht hat. Er hat – noch als Studierender – ein Hilfsprojekt zur Zahngesundheit in dem westafrikanischen Staat Gambia (mit)gegründet und betreut es auch heute noch: Weit weg von der Hauptstadt Banjul müssen die Menschen immer noch tagelange Fußmärsche unternehmen, wenn sie Zahnprobleme haben. Das Projekt bildet Zahnärzte und Helfer aus, heute geht es aber auch um die Frage, wie sich die Zahngesundheit in einem Entwicklungsland unterscheidet von der in den Industrieländern.

Außerdem arbeitet Jordan seit den 1990er Jahren an dem Thema HIV und Zahnbehandlung. „In den 80er Jahren hatten viele Zahnärzte Angst vor einer AIDS-Ansteckung, aber sie waren auch die Ersten, die eine Infektion an der Veränderung der Mundschleimhaut feststellen konnten. Damals ging es vor allem um Aufklärung“, berichtet Jordan. Heute haben sich die Probleme mit den neuen Behandlungsarten geändert: „HIV-Patienten bekommen heute einen Medikamenten-Cocktail, den sie täglich einnehmen müssen. Die haben Nebenwirkungen auch auf die Mundschleimhaut und das Zahnfleisch. Dazu gibt es zurzeit nur wenig Forschung.“

Die aktuellste Forschung betreibt Jordan zusammen mit den Augusta-Kranken-Anstalten in Bochum. Darin geht es um Frauen, die nach einer Brustkrebsoperation Behandlungen mit Chemo- oder Strahlentherapie bzw. Hormonhemmern auf sich nehmen müssen. „Auch da gibt es massive Beschwerden beim Kauen. Zahnfleisch und Mundschleimhaut sind entzündet, die Patienten, die eh schon unter Appetitlosigkeit leiden, können nicht mal schmerzfrei kauen. Aber niemand weiß, welcher Wirkstoff dafür verantwortlich ist. Wir wissen auch nicht, wie sich die Effekte der einzelnen Behandlungen, die in kurzer Zeit aufeinanderfolgen, gegenseitig beeinflussen. Außerdem wird der Speichelfluss durch die Behandlung geringer, das wiederum begünstigt Karies und Parodontitis“, beschreibt Jordan die aktuelle Forschungsarbeit, die erst 2013 abgeschlossen sein wird.

Offenbar haben diese Arbeiten die IADR veranlasst, Jordan in die Position eines Direktors der Forschungsgruppe zu wählen. „Da wird immer ein Amerikaner und ein Vertreter aus dem Rest der Welt berufen. Das bin ich jetzt für drei Jahre“, freut er sich über die Auszeichnung.

Weitere Informationen bei Priv.-Doz. Dr. A. Rainer Jordan, 02302/926-607, rainer.jordan@uni-wh.de